Jan Mayen
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Kleine Landeskunde

All­zu viel will ich hier gar nicht schrei­ben, sonst bestellt ja kei­ner mehr das Buch 🙂 Aber Sie fin­den hier eine Ein­füh­rung in die­se fas­zi­nie­ren­de Insel:

All­ge­mei­nes: Jan May­en liegt bei 71°N/8°W etwa 550 km nörd­lich von Island und 450 km von der Ost­küs­te Grön­lands ent­fernt. Die Land­flä­che beträgt 373 km2, was La Gome­ra in den Kana­ren oder dem Gar­da­see ent­spricht. Die auf­fäl­li­ge, in Süd­west-Nord­ost-Rich­tung gestreck­te Löf­fel­form mit einer Län­ge von 53 km hat mit der Geo­lo­gie zu tun (sie­he nächs­ter Abschnitt: Erd­ge­schich­te). Beson­ders mar­kant ist der in der Nord­hälf­te gele­ge­ne, 2277 Meter hohe Bee­ren­berg mit sei­ner sym­me­tri­schen Vul­kan­form.

Jan May­en wur­de früh im 17. Jahr­hun­dert ent­deckt und ist seit 1930 ein Teil von Nor­we­gen. Noch heu­te gibt es auf Jan May­en eine nor­we­gi­sche Sta­ti­on. Es gibt kei­ner­lei tou­ris­ti­sche Infra­struk­tur wie Über­nach­tungs­mög­lich­kei­ten oder Trans­port­mög­lich­kei­ten von und nach Jan May­en, so dass tou­ris­ti­sche Besu­che recht sel­ten und weit­ge­hend auf Expe­di­ti­ons­kreuz­fahr­ten und gele­gent­li­che pri­va­te Yach­ten beschränkt sind. Die Bedin­gun­gen für Land­gän­ge sind wegen des oft rau­en Wet­ters sowie des Man­gels an geschütz­ten Buch­ten schwie­rig. Ande­rer­seits ist Jan May­en land­schaft­lich und his­to­risch ein­zig­ar­tig und für aben­teu­er­lus­ti­ge Freun­de der Polar­ge­bie­te auf jeden Fall sehens­wert.

©Rolf Stan­ge – Jan May­en. Die größ­te Aus­deh­nung (Süd­west-Nord­ost) beträgt 53 km, an der schmals­ten Stel­le ist die Insel nur 2 km breit.
Schwar­ze Krei­se: Wal­fang­sta­tio­nen aus 17. Jahr­hun­dert (nach­ge­wie­sen). Wei­ße Krei­se: Wal­fang­sta­tio­nen aus dem 18. Jahrund­ert (ver­mu­tet). Vier­ecke: Sta­tio­nen (1. Elds­te Met­ten (Wet­ter­sta­ti­on 1921-1940), 2. Jøs­sing­da­len (Wet­ter­sta­ti­on 1941-46 sowie Gar­ni­son), 3. Atlan­tic City (US Coast­guard Sta­ti­on 1943-46, Wet­ter­sta­ti­on 1946-49), 4. Gam­le Met­ten (Wet­ter­sta­ti­on 1946-62), 5. Olon­kin­byen (LORAN-Sta­ti­on, 1958-2005), 6. Hele­ne­san­den (Wet­ter­sta­ti­on seit 1962).
Bre­en = Glet­scher, buk­ta = Bucht, Kapp = Kap, Nylan­det = Neu­es Land, slet­ta = Ebe­ne, Vika = Klei­ne Bucht.

Erd­ge­schich­te: Geo­lo­gisch ist Jan May­en im Nord­at­lan­tik nur mit Island ver­gleich­bar und nicht im gerings­ten mit Grön­land, Nor­we­gen oder Spitz­ber­gen. Jan May­en ist noch deut­lich jün­ger als das erd­ge­schicht­lich noch ziem­lich puber­tä­re Island. Jan May­en gehört zum Sys­tem des mit­tel­at­lan­ti­schen Rückens, liegt aber nicht auf die­sem drauf. Die Insel ver­dankt ihre Exis­tenz einem soge­nann­ten Hot Spot und die läng­li­che Form dem Umstand, dass die tek­to­ni­sche Plat­te lang­sam drif­tet, wäh­rend der dar­un­ter befind­li­che Hot Spot sta­tio­när ist. Der Vul­kan Bee­ren­berg ist nach wie vor aktiv, jedoch nicht der am Gip­fel gele­ge­ne Zen­tral­kra­ter. Aus­brü­che hat es in den letz­ten Jahr­hun­der­ten vor allem an der äußers­ten Nord­spit­ze gege­ben.

Kli­ma & Glet­scher. Das Kli­ma ist mari­tim-ark­tisch, mit ande­ren Wor­ten es herrscht meis­tens ein abso­lu­tes Sau­wet­ter. Kna­ckig-kal­tes Win­ter­wet­ter gibt es sel­ten, noch sel­te­ner Son­nen­schein im Som­mer. Nebel, Wind und Sprüh­re­gen, der nicht sehr ergie­big ist, einen aber trotz­dem schnell völ­lig nass und kalt macht, sind dafür häu­fig. Die Ursa­che hier­für ist das Island-Tief, in des­sen Ent­ste­hungs­ge­biet Jan May­en liegt.

Mit der Höhe nimmt der Nie­der­schlag zu und fällt ver­mehrt als Schnee. Daher befin­den sich auf dem Bee­ren­berg über 100 km2 Glet­scher­flä­che. Fünf Glet­scher rei­chen hin­ab bis zum Meer, auf­grund der all­ge­mei­nen Kli­ma­er­wär­mung hat jedoch nur noch der Weyprecht­bre­en (-glet­scher) eine ein­drucks­vol­le Kal­bungs­front. Die ande­ren, weit hin­ab­rei­chen­den Glet­scher zie­hen sich zurück und ver­schwin­den daher mehr und mehr in ihren eige­nen End­mo­rä­nen.

Mee­res­strö­mun­gen & Eis. Jan May­en liegt im Mischungs­ge­biet ver­schie­de­ner Mee­res­strö­mun­gen. Der Ost­grön­land-Strom bringt kal­tes Was­ser sowie gro­ße Eis­mas­sen aus dem Nord­pol­be­cken ent­lang der Ost­küs­te Grön­lands nach Süden. Die­sem ent­ge­gen kommt der Golf­strom mit sei­nen rela­tiv war­men Was­ser­mas­sen. Jan May­en liegt genau in der Mischungs­zo­ne die­ser Was­ser­mas­sen und der damit ver­bun­de­nen, jewei­li­gen Luft­mas­sen, wor­aus das meist schlech­te Wet­ter resul­tiert. Die Eis­mas­sen, die der Ost­grön­land­strom mit sich bringt, berüh­ren Jan May­en heut­zu­ta­ge, wenn über­haupt, dann meist nur noch um den März her­um.

Flo­ra & Fau­na. Die Fau­na Jan May­ens besteht vor allem aus einer recht arten­ar­men, aber indi­vi­du­en­rei­chen Mee­res­vo­gel­fau­na. Vor allem Mee­res­vö­gel, die auf stei­len Klip­pen brü­ten, gibt es hier zahl­reich, allen vor­an der Eis­sturm­vo­gel, die Drei­ze­hen­mö­we sowie die Dick­schna­bel­lum­me und Krab­ben­tau­cher (letz­te­re brü­ten unter Fels­blö­cken). Tund­ra­vö­gel wie Schnee­am­mern, Thor­shühn­chen, Stein­wäl­zer etc., die sonst in der Ark­tis häu­fig sind, gibt es auf Jan May­en kaum, da es auch kei­ne Tun­dra- oder Feucht­ge­bie­te gibt. Land­säu­ge­tie­re gibt es kei­ne, seit der Eis­fuchs im 20. Jahr­hun­dert von Trap­pern aus­ge­rot­tet wur­de, Moschus­och­sen, Ren­tie­re oder Nage­tie­re hat es hier nie gege­ben.

Wirk­lich reich ist vor allem das Meer um Jan May­en her­um. Hier gibt es ver­schie­de­ne Wal- und Rob­ben­ar­ten sowie rei­che Fisch­grün­de.
Die Vege­ta­ti­on besticht vor allem durch Abwe­sen­heit, wei­te Flä­chen sind unbe­wach­sen. Den­noch gibt es eine Rei­he von Gefäß­pflan­zen­ar­ten wie Stein­brech­ar­ten und sogar meh­re­re Löwen­zahn­ar­ten, dar­un­ter auch ende­mi­sche (gibt es nur auf Jan May­en). Beein­dru­ckend sind die vie­len Moos- und Flech­ten­ar­ten, die stel­len­wei­se dich­te, far­ben­fro­he Pols­ter bil­den.

Geschich­te. Die frü­he Geschich­te liegt im Dun­keln, wobei es gut sein kann, dass vor den Wal­fän­gern nie jemand nach Jan May­en gekom­men ist. Es gibt nebel­haf­te Legen­den über Besu­che von iri­schen Mön­chen im Mit­tel­al­ter sowie etwas spä­ter von Wikin­gern. Die Ent­de­ckung erfolg­te mög­li­cher­wei­se 1608 durch Hen­ry Hud­son, sicher aber spä­tes­tens 1614 durch den Eng­län­der John Clar­ke. Bald dar­auf began­nen hol­län­di­sche Wal­fän­ger, die rei­chen Wal­vor­kom­men aus­zu­beu­ten und die erleg­ten Wale in Land­sta­tio­nen auf Jan May­en zu ver­ar­bei­ten. Res­te der­ar­ti­ger Sta­tio­nen gibt es heu­te noch an zwei Stel­len auf der Nord­sei­te der Insel, die nach einem Wal­fang­ka­pi­tän aus jener Zeit benannt wor­den ist. Ein Über­win­te­rungs­ver­such der Wal­fän­ger, um die Land­sta­tio­nen zu bewa­chen sowie um den ark­ti­schen Win­ter zu erkun­den, schei­ter­te tra­gisch: Kei­ner der sie­ben Über­win­te­rer über­leb­te den Win­ter 1633-34.

Nach­dem die Wale rar wur­den und die Pro­fi­te aus­blie­ben, wur­de es ruhig um Jan May­en. Erst 1882-83 kam es zum nächs­ten nen­nens­wer­ten Besuch und zur ers­ten erfolg­rei­chen Über­win­te­rung, als Öster­reich im Ers­ten Inter­na­tio­na­len Polar­jahr sei­ne Sta­ti­on in der Maria Musch­buk­ta auf der Nord­sei­te der Insel eta­blier­te. Die Sta­ti­on wur­de ein Erfolg, und die Über­win­te­rer konn­ten mit guter Gesund­heit und reich­hal­ti­gen wis­sen­schaft­li­chen Ergeb­nis­sen die Heim­rei­se antre­ten. »Nur« ein Matro­se des Trans­port­schif­fes starb wäh­rend der Ankunft an Tuber­ku­lo­se und wur­de vor Ort begra­ben.

Im frü­hen 20. Jahr­hun­dert ent­deck­ten nor­we­gi­sche Trap­per die rei­chen Fuchs­be­stän­de als loh­nens­wer­tes Jagd­ziel. Die ers­te Über­win­te­rung fand 1906/07 statt und führ­te zu einem guten Fuchs­fang, ende­te jedoch in einer Kata­stro­phe, als das Trans­port­schiff auf dem Rück­weg bei Island sank, wobei alle bis auf den Maschi­nis­ten umka­men. In den fol­gen­den Jah­ren kam es mehr­fach zu wei­te­ren Über­win­te­run­gen, die teil­wei­se Rekord­fän­ge ein­brach­ten. Da der Anteil der beson­ders wert­vol­len Blau­füch­se, einer Eis­fuchs­va­ri­an­te mit dunk­lem Fell auch im Win­ter, deut­lich höher war als sonst wo in der Ark­tis, haben die­se Aben­teu­er sich zunächst finan­zi­ell aus­ge­zahlt. Bald bra­chen die Bestän­de jedoch zusam­men, heu­te ist der Eis­fuchs auf Jan May­en lei­der aus­ge­rot­tet.

Die Fort­schrit­te auf dem Gebiet der Meteo­ro­lo­gie sowie die Not­wen­dig­keit guter Wet­ter­vor­her­sa­gen mach­ten schließ­lich eine Wet­ter­sta­ti­on auf Jan May­en für Nor­we­gen zur Not­wen­dig­keit. Eine sol­che wur­de 1921 ein­ge­rich­tet und im Lau­fe der Jahr­zehn­te mehr­fach ver­legt, jedoch bis auf eine kur­ze Unter­bre­chung zu Kriegs­be­ginn bis heu­te kon­ti­nu­ier­lich betrie­ben. Zunächst auf der Süd­sei­te gele­gen und mit drei, spä­ter vier Leu­ten betrie­ben, ver­rich­te­te die Sta­ti­on auch Diens­te als Radio­sta­ti­on für Fische­rei- und Rob­ben­fang­schif­fe in der Regi­on.

In den 20er Jah­ren haben mehr­fach nor­we­gi­sche Pri­vat­leu­te Jan May­en teil­wei­se oder ganz in Besitz genom­men, bald dar­auf auch der Staat durch die Wet­ter­sta­ti­on. 1930 trat ein Gesetz in Kraft, das Jan May­en zu einem Teil des König­rei­ches Nor­we­gen mach­te. Pri­vat­recht­lich setz­te sich aller­dings ein Nor­we­ger durch, der sich die Insel durch mehr­fa­che Akti­vi­tä­ten vor Ort wie Auf­stel­len von Okku­pa­ti­ons­schil­dern und Ner­ven der Ange­hö­ri­gen der Wet­ter­sta­ti­on sowie in Nor­we­gen durch hart­nä­cki­ges Pro­zes­sie­ren gesi­chert hat­te. Spä­ter erwarb der nor­we­gi­sche Staat den Grund und Boden käuf­lich, so dass die gesam­te Insel heu­te nicht nur nor­we­gi­sches Hoheits­ge­biet, son­dern auch Staats­be­sitz ist. Die Strei­tig­kei­ten jener Zeit sowie die Per­sön­lich­kei­ten, die sich hier enga­giert haben, haben schon etwas bizar­re Züge.

Die Wet­ter­sta­ti­on wur­de wäh­rend des Krie­ges im Sep­tem­ber 1940 eva­ku­iert, jedoch Anfang 1941 in eini­ger Ent­fer­nung von der Küs­te wie­der ein­ge­rich­tet, da Wet­ter­vor­her­sa­gen für bei­de Kriegs­par­tei­en wich­tig waren. Auch Deutsch­land ver­such­te, Wet­ter­flug­zeu­ge bzw. eine Sta­ti­on zu eta­blie­ren, beschränk­te sich nach meh­re­ren Fehl­schlä­gen jedoch auf regel­mä­ßi­ge Über­flü­ge mit Wet­ter­be­ob­ach­tungs­flug­zeu­gen. Unter­stützt von Groß­bri­tan­ni­en, unter­hielt Nor­we­gen die Sta­ti­on wäh­rend der Kriegs­jah­re im Jøs­sing­da­len (sie­he Kar­te oben) und zum Schutz die­ser Sta­ti­on noch eine Gar­ni­son. Mehr­fach wur­de bei Über­flü­gen deut­scher Flug­zeu­ge auf­ein­an­der geschos­sen, ohne dass es jedoch zu nen­nens­wer­tem Scha­den oder Ver­lust an Men­schen­le­ben auf einer der Sei­ten gekom­men wäre. Min­des­tens zwei deut­sche Flug­zeu­ge stürz­ten jedoch auf Jan May­en durch Navi­ga­ti­ons­feh­ler ab. In den spä­te­ren Kriegs­jah­ren rich­te­te die US Coast­guard in der Nähe der nor­we­gi­schen Gar­ni­son eine Sta­ti­on zur Pei­lung feind­li­cher Radio­sen­der ein, »Atlan­tic City«, die 1946 ver­ein­ba­rungs­ge­mäß wie­der geräumt wur­de. In die Gebäu­de von Atlan­tic City zog bald dar­auf die Wet­ter­sta­ti­on ein, bis 1949 end­lich eine brauch­ba­re, neue Sta­ti­on gebaut wur­de – die Wohn- und Arbeits­ver­hält­nis­se waren bis dahin mehr als deso­lat gewor­den. Die neue Sta­ti­on war zweck­mä­ßig und gemüt­lich, jedoch den Fall­win­den des Bee­ren­berg aus­ge­setzt. Extre­me Wind­ver­hält­nis­se führ­ten zu einem tra­gi­schen Unfall, als Sta­ti­ons­lei­ter Aksel Liberg wäh­rend eines star­ken Sturms inner­halb des Sta­ti­ons­ge­län­des vom Wind fort­ge­ris­sen wur­de und rasch erfror, sei­ne Lei­che wur­de Tage spä­ter in einer Ent­fer­nung von nur 150 Metern vom Sta­ti­ons­haus gefun­den!

In den spä­ten 50ern wur­de schließ­lich die mili­tä­ri­sche LORAN-Sta­ti­on auf der Süd­sei­te gebaut, wo sie sich auch heu­te noch befin­det, aller­dings seit Ende 2005 nicht mehr in Betrieb. LORAN ist ein mili­tä­ri­sches Navi­ga­ti­ons­sys­tem (Long Ran­ge Navi­ga­ti­on), das bemann­te Sta­tio­nen erfor­dert, in Zei­ten von GPS jedoch lang­sam über­flüs­sig wird.

Schließ­lich zog 1962 auch die Wet­ter­sta­ti­on zur LORAN-Sta­ti­on um, da ein Neu­bau ohne­hin fäl­lig war und somit eine gemein­sa­me Logis­tik genutzt wer­den konn­te.

Die LORAN-Sta­ti­on soll seit Anfang 2006 nicht mehr in Betrieb sein (ist aller­dings nach wie vor da und besetzt).

Gesetz­li­che Bestim­mun­gen (2010): Im Novem­ber 2010 wur­de Jan May­en der Schutz­sta­tus eines Natur­re­ser­vats ver­lie­hen. Bevor ich abschlie­ßend die für tou­ris­ti­sche Besu­cher wich­tigs­ten damit ein­her­ge­hen­den Bestim­mun­gen wider­ge­be, die seit Novem­ber 2010 gel­ten, zunächst eini­ge Kom­men­ta­re zur neu­en gesetz­li­chen Lage.

Bis zum Som­mer 2010 konn­ten die rela­tiv weni­gen Besu­cher, die nach Jan May­en kamen, über­all lan­den, wo Wind, Wet­ter und Wel­len dies zulie­ßen. Was für man­che bedeu­te­te, dass sie über­haupt nicht an Land kamen, ande­re ver­brach­ten ein paar oft recht feucht­kal­te Stun­den in und um die Sta­ti­on oder in der Kval­ross­buk­ta und ein paar Glück­li­che konn­ten inner­halb von 1-2 Tagen an etli­chen inter­es­san­ten Stel­len an Land gehen. Ein paar sport­li­che Polar­be­geis­ter­te konn­ten sogar am Fuß des Bee­ren­bergs für ein paar Tage ein Zelt­la­ger errich­ten, um in einem sel­te­nen, kla­ren Moment von des­sen Gip­fel in 2277 Metern Höhe aus einen Aus­blick zu genie­ßen, den nur ganz weni­ge zu sehen bekom­men. Auf dem Mount Ever­est stan­den jedes Jahr viel mehr Men­schen als auf dem Bee­ren­berg. Das Aben­teu­er war logis­tisch anspruchs­voll, aber gesetz­li­che Hin­der­nis­se lagen bis 2010 nicht im Weg.

Im Novem­ber 2010 erklär­te die nor­we­gi­sche Regie­rung Jan May­en jedoch zu einem Natur­re­ser­vat. Dies ist in Zei­ten, in denen Ölwirt­schaft und Fische­rei den Druck auf eine ohne­hin gestress­te Umwelt erhö­hen und in abge­le­gens­te Gebie­te vor­sto­ßen, prin­zi­pi­ell natür­lich zu begrü­ßen. War­um nor­we­gi­sche Behör­den aber in dem Minia­tur-Tou­ris­mus, der sich bis dahin auf Jan May­en ent­wi­ckelt hat­te – die Besu­cher­zah­len hät­ten jeden Tou­ris­mus-Mana­ger in jedem noch so klei­nen Nest etwa in der bran­den­bur­gi­schen Prä­rie zur sofor­ti­gen Auf­ga­be gezwun­gen – eine Bedro­hung für die Natur Jan May­ens sieht, ist aber bis­lang ihr gut gehü­te­tes Geheim­nis. Man kann nur ver­mu­ten, dass selbst in den höhe­ren Eta­gen der Oslo­er Büro­kra­tie tat­säch­lich kein den­ken­der Mensch Tou­ris­ten als Umwelt­ri­si­ko für Jan May­en betrach­tet, man will sie dort ein­fach nicht. Wer hät­te auch nicht ger­ne eine gan­ze Insel für sich selbst? Die Argu­men­ta­ti­on, die in Hörungs­do­ku­men­ten nach­zu­le­sen ist, besteht dar­in, dass das Öko­sys­tem von Jan May­en noch nicht hin­rei­chend bekannt sei und dass man daher das vor­beu­gen­de Prin­zip zur Anwen­dung brin­gen und Pro­ble­me bekämp­fen müs­se, auch wenn man die­se nicht ein­mal erah­nen kann. Natür­lich ist recht­zei­ti­ges Vor­beu­gen bes­ser als zu spä­tes Han­deln, wenn ein Umwelt­scha­den bereits Fakt ist. Wenn das vor­beu­gen­de Prin­zip aber als Argu­ment zur groß­räu­mi­gen Sper­rung gan­zer Inseln dient, ohne dass irgend­wer ein öko­lo­gi­sches Scha­dens­po­ten­zi­al hät­te beschrei­ben kön­nen, dann gerät es zur Far­ce. Das Ergeb­nis ist ein Ärger­nis für die­je­ni­gen, die sich für eine sol­che Gegend begeis­tern, und ein mas­si­ver Ver­lust an Glaub­wür­dig­keit in staat­li­chen Umwelt­schutz. Mit die­ser Logik könn­te man bei­spiels­wei­se auch die Eva­ku­ie­rung von Rügen erzwin­gen. Nur sicher­heits­hal­ber. Man kann ja nie wis­sen.

Um stark restrik­ti­ve Maß­nah­men bis hin zur prak­tisch fast voll­stän­di­gen Sper­rung gan­zer Gebie­te durch­zu­set­zen, soll­te also nach Ansicht des Inha­bers die­ser Web­sei­te ein Scha­dens­po­ten­ti­al erkenn­bar sein. Droht Scha­den, müs­sen recht­zei­tig Maß­nah­men ergrif­fen wer­den, kei­ne Fra­ge. Wor­in aber soll der Scha­den bestehen, wenn für ein paar Tage ein Zelt­la­ger von Berg­stei­gern auf Vul­kan­sand steht? Wor­in liegt der Nut­zen für die Umwelt, wenn man klei­nen Grup­pen ver­bie­tet, mit Zodiacs an oft treib­holz­be­deck­ten Strän­den anzu­lan­den, etwa um die spär­li­chen Über­res­te der öster­rei­chi­schen Sta­ti­on von 1882-83 in der Maria Musch­buk­ta zu betrach­ten oder das klei­ne Denk­mal in der Kross­buk­ta zu besu­chen, das an das Boo­t­un­glück von 1961 erin­nert? Natür­lich kön­nen unacht­sa­me Schrit­te und Trit­te die Vege­ta­ti­on (soweit vor­han­den) oder his­to­ri­sche Relik­te (dito) beschä­di­gen, aber Erfah­run­gen aus ande­ren Polar­ge­bie­ten wie der Ant­ark­tis und Spitz­ber­gen (wo die Gesetz­ge­bung der­zeit aller­dings ähn­lich para­no­id zu wer­den droht) zei­gen, dass damit effek­tiv und ziel­füh­rend umge­gan­gen wer­den kann, ohne Inter­es­sier­ten gene­rell den Zugang zu ver­weh­ren. Besu­cher­zah­len kön­nen, wenn nötig, limi­tiert wer­den; Zel­ten auf Vege­ta­ti­on kann ver­bo­ten wer­den (wur­de in Spitz­ber­gen weit­ge­hend getan), wie auch das (Zer)stören von Pflan­zen und Tie­ren (dies ist selbst­ver­ständ­lich eben­falls der Fall), Mini­mum­di­stan­zen etwa von Brut­ge­bie­ten kön­nen fest­ge­legt wer­den usw. usw. Es besteht man­gels öko­lo­gi­schen Scha­dens­po­ten­zi­als schlicht kei­ne Not­wen­dig­keit, gan­ze Inseln und Regio­nen für die ohne­hin sehr über­schau­ba­re inter­es­sier­te Öffent­lich­keit zu schlie­ßen. War­um soll­ten die weni­gen Men­schen, die die teu­re und oft wenig kom­for­ta­ble See­rei­se auf sich neh­men, um einen nähe­ren Blick auf eine fas­zi­nie­ren­de Insel wie Jan May­en zu wer­fen oder gar ein paar Tage dort zu ver­brin­gen, um etwa den Bee­ren­berg zu erstei­gen, das nicht wei­ter­hin tun könn­ten?

Was kam also mit dem Gesetz Nr. 1456 vom 19.11.2010, genannt „For­skrift om fred­ning av Jan May­en natur­re­ser­vat“? Die wich­tigs­ten Punk­te sind die fol­gen­den: Die Insel samt umlie­gen­der Gewäs­ser ist ein Naturr­ser­vat, aus­ge­nom­men sind nur die Sta­ti­on und Umge­bung sowie ein klei­ner Teil der Kval­ross­buk­ta. Es ist nicht erlaubt, im Natur­re­ser­vat an Land zu gehen oder zu zel­ten (ein kras­ser Gegen­satz zur Gesetz­ge­bung und Pra­xis in den Natur­re­ser­va­ten Spitz­ber­gens). Im Klar­text: an Land gehen oder ein Zelt auf­schla­gen darf man nur in der Kval­ross­buk­ta und in Båt­vi­ka bei der Sta­ti­on. Von dort aus darf man aller­dings über­all hin – theo­re­tisch. Prak­tisch haben die meis­ten Besu­cher aller­dings weder die Zeit noch die Fähig­keit, sich in nen­nens­wer­tem Umfang über die Insel zu bewe­gen, und somit ist Jan May­en wei­test­ge­hend gesperrt. Offi­zi­ell (Hörungs­do­ku­men­te) ist natür­lich nichts gesperrt, son­dern der Ver­kehr wur­de „kana­li­siert“, denn von den ver­blie­ben­den Lan­de­stel­len aus kann man sich ja nach wie vor über die Insel bewe­gen. Theo­re­tisch. Prak­tisch ist dies für die meis­ten völ­lig unmög­lich. Damit ist die Insel größ­ten­teils de fac­to gesperrt.

Nun folgt also, soweit rele­vant, der Text des Geset­zes von 2010 (Über­set­zung vom Sei­ten­in­ha­ber, kein offi­zi­ell-ver­bind­li­cher Text, teil­wei­se gekürzt, dies wur­de jeweils kennt­lich gemacht)

For­skrift om fred­ning av Jan May­en natur­re­ser­vat (ver­öf­fent­licht 19.11.2010, 15.25 Uhr)

Kapi­tel I. Ein­lei­ten­de Bestim­mun­gen

§ 1. Schutz
Die Insel Jan May­en ist als Natur­re­ser­vat unter der Bezeich­nung Jan May­en Natur­re­ser­vat geschützt.

§ 2. Abgren­zung und Umfang
Das geschütz­te Gebiet umfasst:

  • die gesam­te Insel, aus­ge­nom­men ein Gebrauchs­ge­biet („virksom­he­tsom­rå­de“) auf der Ost­sei­te der Insel (Olon­kin­byen, die Wet­ter­sta­ti­on und der Flug­platz) sowie ein klei­nes Gebiet in der Kval­ross­buk­ta auf der West­sei­te der Insel.
  • die dazu­ge­hö­ri­gen Ter­ri­to­ri­al­ge­wäs­ser mit Aus­nah­me eines mari­nen Gebie­tes inner­halb und 500 m außer­halb von Båt­vi­ka (Anm.: die Bucht bei der Sta­ti­on)

Das Natur­re­ser­vat umfasst ca. 375 km2 Lan­ge­biet und ca. 4315 km2 See­ge­biet.
Die Gren­zen des Natur­re­ser­vats gehen aus den bei­geleg­ten Kar­ten in den Maß­stä­ben 1:330000 und 1:25000 her­vor, datiert Mil­jø­vern­de­par­te­men­tet novem­ber 2010. (…)

§ 3. Ziel­set­zung
Das Ziel des Schut­zes ist die Bewah­rung einer nahe­zu unbe­rühr­ten ark­ti­schen Insel und angren­zen­der See­ge­bie­te, ein­schließ­lich des Mee­res­bo­dens, mit eige­ner Land­schaft, akti­ven Vul­kan­sys­te­men, spe­zi­el­ler Flo­ra und Fau­na und vie­len his­to­ri­schen Relik­ten, ins­be­son­de­re soll gesi­chert wer­den:

  • die groß­ar­ti­ge und ein­zig­ar­ti­ge Land­schaft der Insel
  • die der Insel eige­nen vul­ka­ni­schen Gestei­ne und Land­for­men
  • die Insel als wich­ti­ges Gebiet für See­vö­gel
  • der enge Zusam­men­hang zwi­schen dem Leben im Meer und auf Land
  • die eige­ne Öko­lo­gie, die sich auf iso­lier­ten Inseln ent­wi­ckelt
  • die his­to­ri­sche Per­spek­ti­ve, die mit Relik­ten aus allen Haupt­pha­sen der Geschich­te Jan May­ens reprä­sen­tiert ist.
  • die Insel und angren­zen­de See­ge­bie­te als Refe­renz­ge­biet für For­schung.

Kapi­tel II. Schutz­be­stim­mun­gen

§ 4. Land­schaft, Natur­mi­lieu, Flo­ra, Fau­na, his­to­ri­sche Relik­te, Ver­kehr, Ver­un­rei­ni­gung

  1. Land­schaft, Natur­mi­lieu, his­to­ri­sche Relik­te
    1. Alle Hand­lun­gen sind ver­bo­ten, die die Land­schaft, das Natur­mi­lieu oder his­to­ri­sche Relik­te beein­träch­ti­gen kön­nen. Dar­un­ter der Bau von Gebäu­den, Anla­gen, ein­schließ­lich Tank­an­la­gen, fes­te Ein­rich­tun­gen, dar­un­ter Anten­nen, das Auf­stel­len von Bara­cken und ähn­li­chem, Legen von Lei­tun­gen und Kabeln, Ent­nah­me, Ver­fül­len, Bewe­gen und Lagern von Erd­mas­se, Ent­fer­nen von Treib­holz, Pla­nie­ren, Anle­gen von Wegen, Hafen­an­la­gen, Lan­de­plät­zen, Gebrauch von Angel- und Fische­rei­ge­rä­ten, die den Mee­res­bo­den schä­di­gen kön­nen, Drai­na­ge und ande­re Arten der Ent­wäs­se­rung, Boh­rung, Spren­gung und ähn­li­ches, Ent­nah­me von Mine­ra­len und Öl.
    2. Es ist ver­bo­ten, geschütz­te his­to­ri­sche Relik­te zu beschä­di­gen, aus­zu­gra­ben, zu bewe­gen, zu ent­fer­nen, zu ver­än­dern, zuzu­de­cken, zu ver­ste­cken oder zu ver­un­stal­ten oder Hand­lun­gen vor­zu­neh­men, die die Gefahr beinhal­ten, dass der­ar­ti­ges geschieht.
    3. Die Bestim­mun­gen nach Pt. 1.1 schlie­ßen nicht aus (erlau­ben wei­ter­hin):
      • den Gebrauch zuge­las­se­ner Angel- und Fische­rei­ge­rä­te auf See mit Aus­nah­me von Gerä­ten, die den Mee­res­bo­den wesent­lich beschä­di­gen kön­nen.
      • not­wen­di­ge Instand­hal­tung des exis­tie­ren­den Weges zwi­schen Olonkinbyen/Flugplatz und Kval­ross­buk­ta.
      • die not­wen­di­ge Instand­hal­tung des exis­tie­ren­den Weges/Fahrspur zwi­schen Trongs­kar­krys­set und Gam­le Met­ten
      • loka­ler Gebrauch von Treib­holz zur Repa­ra­tur und als Brenn­ma­te­ri­al für exis­tie­ren­de Hüt­ten auf der Insel und klei­ne Lager­feu­er vor Ort
  2. Pflan­zen und Tie­re
    1. Tie­re, Pflan­zen und ande­re leben­de Orga­nis­men sind gegen Beschä­di­gung, Zer­stö­rung und Stö­rung jeg­li­cher Art geschützt, aus­ge­nom­men zuläss­li­cher Ver­kehr.
    2. Pflan­zen- und Tier­ar­ten, ein­schließ­lich gen­mo­di­fi­zier­te Arten und For­men, dür­fen nicht ein­ge­führt oder aus­ge­setzt wer­den.
    3. Die Bestim­mun­gen nach Pt. 2.1 schlie­ßen nicht aus (erlau­ben wei­ter­hin):
      • Nut­zung wild­le­ben­der mari­ner Res­sour­cen nach den Regeln des Minis­te­ri­ums für Fische­rei und Küs­ten. Die Aus­nah­me gilt nicht für Gerä­te, die wesent­li­chen Scha­den am Mee­res­bo­den ver­ur­sa­chen kön­nen.
  3. His­to­ri­sche Relik­te
    1. Defi­ni­ti­on
      In die­sem Gesetz wird defi­niert:
      His­to­ri­sches Relikt („Kul­tur­min­ne“): Alle Spu­ren mensch­li­cher Akti­vi­tät in der phy­si­schen Umwelt, dar­un­ter Trans­port­mit­tel, Bau­wer­ke, Anla­gen aller Art.
      … (es wird zwi­schen orts­fes­ten und beweg­li­chen Relik­ten unter­schie­den, für die aber letzt­lich Glei­ches gilt)
    2. Auto­ma­tisch geschütz­te his­to­ri­sche Relik­te sind:
      • orts­fes­te Relik­te von 1945 oder frü­her, dar­un­ter Flug­zeug- und Boots­wracks
      • lose Relik­te von 1945 oder frü­her, wenn sie zufäl­lig zuta­ge tre­ten, durch Unter­su­chung, Aus­gra­bung oder auf ande­re Wei­se
      • Die Sta­ti­on Gam­le Met­ten mit zuge­hö­ri­gem Inven­tar und Aus­rüs­tung
      • Alle Arten von Spu­ren von mensch­li­chen Grab­stät­ten, dar­un­ter Kreu­ze und ande­re Mar­kie­run­gen, Denk­mä­ler, Kno­chen und Ske­lett­res­te
      • – Wal­kno­chen und his­to­ri­sche Schlacht­plät­ze von Walen
    3. Die Ver­wal­tungs­ge­hör­de bestimmt im Zwei­fel, ob es sich um ein geschütz­tes Relikt han­delt und kann den Schutz bestimm­ter Relik­te auf­he­ben.
    4. Im Fall von Gefahr für Ver­fall, oder wenn der Eigner/Nutzer einem geschütz­ten his­to­ri­schen Relikt Scha­den zuge­fügt hat, kann die Ver­wal­tungs­be­hör­de dem Eigner/Nutzer auf­er­le­gen, geeig­ne­te Maß­nah­men zu tref­fen, um dem Ver­fall ent­ge­gen­zu­wir­ken oder den Scha­den zu repa­rie­ren. Wird die For­de­rung nicht erfüllt, kann die Ver­wal­tungs­be­hör­de die Arbeit auf Kos­ten des Eigners/Nutzers durch­füh­ren las­sen. Die For­de­rung ist Grund­la­ge für die Zwangs­ein­trei­bung ver­aus­la­ger Kos­ten.
    5. Geschütz­te his­to­ri­sche Relik­te sind Eigen­tum des Staa­tes, wenn klar erscheint, dass es kei­ne prak­ti­ka­ble Mög­lich­keit gibt, einen Eig­ner zu iden­ti­fi­zie­ren.
      Die Ver­wal­tungs­be­hör­de kann ein his­to­ri­sches Relikt ganz oder teil­wei­se dem Fin­der über­las­sen.
  4. Ver­kehr (nicht­mo­to­ri­siert und moto­ri­siert)
    1. Jeg­li­cher Ver­kehr soll so gestal­tet wer­den, dass er das Natur­mi­lieu oder his­to­ri­sche Relik­te nicht schä­digt oder auf irgend­ei­ne Wei­se beein­träch­tigt oder zu ver­meid­ba­ren Stö­run­gen von Tie­ren führt.
    2. Zel­ten und Lagern sind nur für die Besat­zung der Sta­ti­on und deren Besu­cher erlaubt.
    3. Lan­dun­gen von Per­so­nen mit Boo­ten sind im Natur­re­ser­vat nicht erlaubt. Der Sta­ti­ons­chef kann in beson­de­ren Fäl­len Erlaub­nis geben, im Natur­re­ser­vat zu lan­den.
    4. Lan­dun­gen mit Luft­fahr­zeu­gen sind im Natur­re­ser­vat ver­bo­ten. In der Zeit vom 01. April bis 31. August ist es, abge­se­hen vom zur Annä­he­rung an die Gebrauchs­ge­bie­te not­wen­di­gen Ver­kehr, ver­bo­ten, näher als eine See­mei­le an Ansamm­lun­gen von Vögeln und Säu­ge­tie­ren zu flie­gen. In die­ser Zeit ist es ver­bo­ten, das Schiffs­horn zu benut­zen, Schüs­se abzu­feu­ern oder auf eine ande­re Art inner­halb einer See­mei­le von Vogel­ko­lo­ni­en kräf­ti­gen Lärm zu erzeu­gen.
    5. Der Gebrauch von Motor­fahr­zeu­gen ist dem Fuhr­park der Sta­ti­on vor­be­hal­ten und auf Fahr­spu­ren und Wege beschränkt, die auf der unten­ste­hen­den Kar­te ver­merkt sind.
    6. Die Bestim­mun­gen nach Pt. 1.1 und 4.5 schlie­ßen nicht aus (erlau­ben wei­ter­hin), alter­na­ti­ve Rou­ten zu ver­wen­den im Zusam­men­hang mit not­wen­di­gem Dienst­ver­kehr, wenn exis­tie­ren­de Wege und Fahr­spu­ren, wie in der Kar­te ver­zeich­net, vor­über­ge­hend wegen Wet­ter- und Wind­ver­hält­nis­sen nicht zugäng­lich sind.
    7. Die Bestim­mun­gen nach Pt. 4.7 schlie­ßen nicht aus (erlau­ben wei­ter­hin) den Ver­kehr im Gelän­de mit Motor­schlit­ten und Ket­ten­fahr­zeu­gen auf gefro­re­nem, schnee­be­deck­ten Unter­grund
      • beim Trans­port von Gütern zur Sta­ti­on, wenn die Wet­ter­ver­hält­nis­se mit sich brin­gen, dass Schif­fe die Insel andern­orts anlau­fen müs­sen als Båt­vi­ka
      • bei der Inspek­ti­on und der Instand­hal­tung von Ein­rich­tun­gen,
      • beim Trans­port von Brenn­ma­te­ri­al und in Ver­bin­dung mit Instand­hal­tung exis­tie­ren­der Hüt­ten abseits des Wege­net­zes
      • Fahr­ten zu Hüt­ten für Wochen­end­fahr­ten u.ä. zu Frei­zeit­zwe­cken für Ange­stell­te der Sta­ti­on.
    8. Die Ver­wal­tungs­be­hör­de kann durch Vor­schrift jeg­li­chen Ver­kehr in Tei­len des Natur­re­ser­va­tes oder im gesam­ten Natur­re­ser­vat regulieren/verbieten, wenn dies als not­wen­dig ange­se­hen wird, um Stö­rung von Tie­ren oder Ero­si­on von Vege­ta­ti­on oder his­to­ri­schen Relik­ten zu ver­mei­den.
  5. Ver­un­rei­ni­gung
    1. Jeg­li­che Ver­un­rei­ni­gung von Luft, Was­ser oder Boden, die Scha­den oder Nach­teil für die Umwelt mit sich brin­gen oder mit sich brin­gen kön­nen, ist ver­bo­ten mit Aus­nah­me von Ver­un­rei­ni­gung durch zuge­las­se­nen moto­ri­sier­ten Ver­kehr und zuge­las­se­ne Emis­sio­nen von den Gebrauchs­ge­bie­ten.
    2. Es ist ver­bo­ten, Abfall zu ent­lee­ren oder zu hin­ter­las­sen.
    3. Stof­fe und Gegen­stän­de, die Pflan­zen und Tie­ren scha­den kön­nen, die ver­un­stal­tend sind oder die Gefahr von Ver­un­rei­ni­gung ber­gen, dür­fen nicht gela­gert oder hin­ter­las­sen wer­den.

Kapi­tel III. Aus­nah­men und Dis­pen­sa­tio­nen

§ 5. Gene­rel­le Aus­nah­men
… (regelt frei­en Zugang für Feu­er­wehr, Poli­zei, Ret­tungs­dienst, Mili­tär, behörd­li­che Auf­sicht etc.)
Die Ver­wal­tungs­be­hör­de kann geschütz­te his­to­ri­sche Relik­te suchen, aus­gra­ben, unter­su­chen und doku­men­tie­ren und ande­re hier­zu berech­ti­gen.

§ 6. Dis­pen­sa­tio­nen
Die Ver­wal­tungs­be­hör­de kann Dis­pen­sa­ti­on geben

  • … (für Bau­maß­nah­men für den Betrieb der Sta­ti­on usw., Eta­blie­rung von Navi­ga­ti­ons­ein­rich­tun­gen, Infra­struk­tur für Welt­raum­ak­ti­vi­tä­ten, Frei­zeit­be­darf der Sta­ti­ons­an­ge­hö­ri­gen …)
  • von allen Vor­schrif­ten unter § 4, wenn wis­sen­schaft­li­che oder sons­ti­ge beson­de­re Grün­de dafür spre­chen … soweit dies nicht nen­nens­wert dem Ziel der Schutz­vor­schrift wider­spricht …

Kapi­tel IV. Ver­wal­tung und Sach­be­ar­bei­tung

(Die Para­gra­fen 7-9 regeln die Admi­nis­tra­ti­on, Ver­wal­tungs­plan, Zustän­dig­kei­ten).

Kapi­tel V. Hand­ha­bung, Sank­tio­nen, Inkraft­tre­ten

§ 10 … (regelt Zwangs­maß­nah­men im Fall regel­wid­ri­ger Akti­vi­tä­ten)
§ 11 … (regelt Stra­fen bei Zuwi­der­hand­lun­gen: Geld­stra­fe oder bis zu 1 Jahr Gefäng­nis, Ein­zug even­tu­el­ler Gewin­ne)
§ 12 Inkraft­tre­ten. Die­ses Gesetz tritt unmit­tel­bar (Anm.: gemeint ist der 19.11.2010) in Kraft. Gleich­zei­tig wird das Gesetz 8792 vom 21. Juni 1974 über den Schutz von Kul­tur­denk­mä­lern auf Jan May­en auf­ge­ho­ben.

Hier gibt es den voll­stän­di­gen nor­we­gi­schen Ori­gi­nal­text des Geset­zes 1456 vom 19. Novem­ber 2010: „For­skrift om fred­ning av Jan May­en natur­re­ser­vat“

Letzte Änderung: 26. April 2015
Copyright: Rolf Stange